"Alles muss aussehen wie Outlook"

by Ronald 20. April 2009 16:56

"...und die GUI muss aussehen wie Outlook!". Diese Forderung scheint sich hartnäckig in den Köpfen von Marketingleuten und Entscheidern festgesetzt zu haben. Woher kommt die Forderung nach der Ähnlichkeit zu Outlook, wenn es um das UI-Design von Produktions- oder Businessanwendungen geht? 

Meiner Meinung nach verbirgt sich dahinter folgendes Marketingargument: "Unsere Anwendung sieht aus wie Outlook. Outlook wird in fast jedem Unternehmen eingesetzt, bestimmt auch in Ihrem. Ihre Mitarbeiter können also mit Outlook umgehen. Folglich werden sie auch spielend mit unserer Anwendung umgehen können.". Diese Argumentation baut jedoch auf einem Fehlschluss auf. Stellen Sie sich vor, jemand kommt zu Ihnen und sagt: "Ich weiß, was meine Kollege gerne zu Mittag ißt. Mein Kollege ist ein Mensch, so wie Sie. Folglich weiß ich auch, was Sie gerne zu Mittag essen.". Es ist wohl jedem einleuchtend, dass diese Argumentation Schwächen aufweist, um es gelinde auszudrücken. Abgesehen davon stellt sich jedoch die Frage, ob es für die jeweils zu entwickelnde Anwendung überhaupt sinnvoll ist, eine Outlookähnliche GUI zu entwerfen. Outlook ist ein Groupware-Client, der aus einer festen Anzahl verschiedener, weitgehend unabhängiger logischer Anwendungsteilen zusammengesetzt ist. Ein anderes Microsoft-Produkt, Visual Studio, sieht z.B. ganz anders aus und weist ein gänzlich anderes Bedienkonzept auf, um Vielseitigkeit und Flexibilität der Anwendung gerecht zu werden. Word, Excel, Internet Explorer; sie alle sehen nicht aus wie Outlook und verhalten sich auch nicht so, obwohl sie aus dem selben Haus kommen. Und das hat im konkreten Einzelfall auch seinen nachvollziehbaren Grund. Schaut man sich z.B. die Produkte von Apple an, so dürften diese eigentlich gar keinen Erfolg haben, denn die schauen so gar nicht aus wie das, was man vom Büro-PC gewohnt ist. Und doch funktionieren sie sehr gut, und verkaufen sich noch besser.

Wenn es um die Entwicklung eines User Interface geht, sollte man lieber versuchen, die Anforderungen genauestens zu untersuchen und sich dann Gedanken machen, was wirklich wichtig ist in der Bedienung der Anwendung. Der andere Weg, einen Rahmen vorzugeben, in den ein Bedienkonzept hineingepresst werden muss, ist meines Erachtens der falsche.

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